20. Oktober 2011

Fliegen gestern und heute – Interview mit Elsa Martynec

Zwischenlandungen, größere Flughäfen, mehr Sicherheitskontrollen und mehr Passagiere: in den vergangenen 50 Jahren hat sich viel in der Flugindustrie getan. Wir haben unsere langjährige Passagierin Elsa Martynec gefragt, was die größten Änderungen in den letzten Jahren waren, was sie vermisst und was sie besser findet.

 

Gestern, heute, morgen…

Damals war das Fliegen ganz anders.“, erzählt uns Elsa Martynec. Eine solche Aussage können wohl viele Menschen aussprechen, aber miterlebt haben es nur wenige. Frau Martynec gehört dazu. Seit ihrem 20ten Lebensjahr fliegt die heute 71-Jährige um den Globus. 50 Jahre voller Veränderungen.

 

 

 

 

 

Vor dem Flug

Es war am 1. April 1961, als die heute 71-Jährige Rentnerin zusammen mit ihrem Mann und ihrem Kind in eine Maschine der British Overseas Airways Corporation einstieg. Das Ziel: Kanada.

Ein Flug beginnt mit der Buchung. So auch vor 50 Jahren, nur anders. ;) „Man hat die Tickets auf der Ringstraße gekauft. In einem der zahlreichen Reisebüros. Da gab es dann dicke Bücher, wie ein Telefonbuch. Hier hat man sich den Flug ausgesucht und fertig. Allerdings hat das Ticket damals sehr viel Geld gekostet. Damals waren es 2.200 Schilling pro Person. [Ca. 160 €. Das ist entspricht in etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Monatseinkommens von 1960. Anm. d. Redaktion]  Heute ist das Fliegen günstiger. Was auch ein Grund dafür ist, dass nun fast alle fliegen.“

Nach der Buchung folgte oftmals eine lange Wartezeit.  Wenn man zum Beispiel ein Visum benötigte, brauchte man ein Ticket. Für die Bearbeitung des Visums musste man dann bis zu 6 Monate warten.  „Dafür war aber der Check-In einfacher. Überhaupt war alles ganz einfach. Der Flughafen war klein, das Personal war sehr freundlich, die Flugbegleiter hießen Stewardessen und schauten aus wie Filmschauspielerinnen. Sicherheitschecks gab es auch noch nicht wirklich. Das fing erst viel später an.“
Über die steigenden Sicherheitsbestimmungen ist Frau Martynec aber auch nicht verärgert. Nur gründlich und gerecht sollen sie sein: „Ich bin bereit, mehr Sicherheitsbestimmungen zu ertragen. Sie sollen es aber bei allen gleich machen. Und sie dürfen nicht nachlassen.“ 

An Bord

„Es gab mehr Platz im Flieger. Man konnte sich ausstrecken, weil ja weniger Menschen flogen. Meistens nur Geschäftsleute. Da saß man dann nun neben einem Opernsänger oder einem Wissenschaftler. Das gibt es heute nur noch sehr selten.“ Ein Ticket für das erstgeborene Kind kostete damals 200 Schilling. Aber Essen und ein Sitzplatz für Kleinkinder gab es 1961 noch nicht: „Es gab aber ein Netz über den Köpfen. Da hab ich das Kind dann hineingelegt. Das kann man sich heute gar nicht vorstellen.“ Mehr Platz gibt es in der Business Class, aber „wechseln in die Business Class werde ich nicht. Ich bin mein ganzes Leben in der Economy geflogen. Das ändert man dann nicht mehr.“

Und das Essen?

„Damals gab es keine Auswahl. Man hat bekommen, was es gab. Aber das war sehr gut. Sonderwünsche gab es auch nicht. Keine Extrawürsteln.“ Anfang der 70iger kam auch das Bordentertainment dazu. „Nach dem Nachtmahl gab es den Film, dann wurden die Fenster zugemacht und geschlafen. Es hat halt nichts anderes gegeben, also hat sich auch niemand beschwert.“
Mit der Auswahl kam dann auch der Wunsch nach noch mehr Luxus. „Viele Passagiere haben das Wort „Bitte“ nicht gelernt oder vergessen. Und das ist für die Flugbegleiterinnen nicht leicht. Ich hab mich da mal mit dem Personal ein bisschen unterhalten und die haben mir dann ihre Sorgen erzählt.“

50 Jahre voller Veränderungen

Insgesamt begrüßt Frau Martynec die vielen Veränderungen in der Flugbranche. „Nur die Ruhe, die ging wohl etwas verloren.“ Am Ende haben wir noch gefragt, was ihr liebster Flug gewesen war. Vielleicht ein Langstreckenflug in die USA oder nach Asien? „Nein, erst vor ein paar Jahren bin ich von Wien nach Zürich geflogen. Und da hat einfach alles gepasst. Wunderbares Frühstück, den Blick über die Alpen und über den Bodensee. Das war wohl der schönste Flug.“

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an Frau Martynec. Wir wünschen Ihnen noch weiterhin einen guten Flug und viele schöne Erlebnisse!

Tags: Fliegen , Geschichte , Reisen
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